60 Jahre IG Metall Rheine

Rückblick auf eine bewegte Geschichte

22.04.2026 | Mit einem Blick zurück auf sechs Jahrzehnte Gewerkschaftsarbeit blickte die IG Metall Rheine auf ihr 60‑jähriges Jubiläum, das im Juni 2026 ansteht.

Außerdem war bei der ersten Delegiertenversammlung der IG Metall Rheine am 12.03.2026 in der Stadthalle Rheine die IG Metall Servicegesellschaft zu Gast. 

Im Geschäftsbericht gab Karin Hageböck, Geschäftsführerin der IG Metall Rheine, einen Überblick über die Mitglieder- und Finanzentwicklung der Geschäftsstelle Rheine.

Im Anschluss stellte Sandra Georg die IG Metall Servicegesellschaft vor. Das Dienstleistungsunternehmer, das ausschließlich für Mitglieder arbeitet, bietet zusätzliche Leistungen an, die über die Gewerkschaftsleistungen hinausgehen. Diese sind z.B. exklusive Angebote und Rabatte in Bereichen wie Bildung & Weiterbildung, Vorsorge & Versicherungen, Steuerberatung, Reisen, Hotels, Freizeitangebote, Regionale Rabatte (z. B. Fahrradläden, Fitnessstudios).

Das Highlight der Delegierte war allerdings gemeinsam Höhepunkte, Herausforderungen und prägende Persönlichkeiten der vergangenen Jahrzehnte Revue passieren zu lassen. 

Geschäftsführerin Karin Hageböck gab einen Einblick in die Entwicklung der IG Metall Geschäftsstelle seit ihrer Gründung im Jahr 1966. Dank des Engagements von der Firma Karmann und Rudi Marciniak wurde damals der Grundstein gelegt – in einer Zeit wirtschaftlicher Unsicherheiten und eines Modernisierungsschubs. 

Von den Aufbruch Jahren bis in die Gegenwart

Die 1960er- und frühen 1970er-Jahre waren geprägt von den ersten JAV‑ und Betriebsratswahlen in der Region, der Einführung neuer gewerkschaftlicher Leistungen und der Etablierung der Geschäftsstelle im lokalen Arbeitsleben. In den 1970ern setzten Ölkrise, Arbeitslosigkeit und neue tarifpolitische Fragen wichtige Akzente. Die 1980er standen im Zeichen harter Auseinandersetzungen – vom Zusammenbruch der Textilindustrie über die Urabstimmung im Kfz‑Handwerk bis hin zum historischen Kampf um die 35‑Stunden‑Woche. Die Digitalisierung setzte erste Spuren, während gleichzeitig gewerkschaftliche Rechte verteidigt werden mussten.

Mit den 1990ern rückten Globalisierung, Produktionsverlagerungen und Strukturwandel in den Fokus. Dennoch gelang es der IG Metall, die 35‑Stunden‑Woche vollständig umzusetzen und Mitglieder in bewegten Zeiten zu begleiten.

Einen großen Einschnitt brachte die Integration der Textil‑Bekleidung-Gewerkschaft (GTB) sowie der Gewerkschaft Holz und Kunststoff Ende der 1990er. Neue Herausforderungen wie Massenarbeitslosigkeit durch Insolvenzen und die Einführung des Entgelt-Rahmenabkommens (ERA) prägten diese Zeit ebenso wie der wachsende Bedarf an professioneller Bildung und Schulung in den Gremien.

Die Finanzkrise ab 2008 führte zu Kurzarbeit, Standortschließungen und Diskussionen über prekäre Beschäftigung. Gleichzeitig setzte die IG Metall wichtige Impulse: Die Übernahme nach Ausbildung wurde tariflich abgesichert, und die Jugendarbeit in Rheine wurde reaktiviert.

In der jüngsten Dekade standen gesellschaftliche Umbrüche im Vordergrund: Corona‑Pandemie, Ukraine‑Krieg sowie neue tarifpolitische Instrumente wie T‑ZUG und T‑Geld. 

Erinnerungen, Debatten und gelebte Geschichte

Nach dem Rückblick hatten die Delegierten Gelegenheit, sich an Thementischen auszutauschen. Fragen wie „Was waren eure tarifpolitischen Highlights?“, „An welche Gewerkschafter erinnert ihr euch besonders?“ oder „Welche Kämpfe haben euch geprägt?“ führten zu lebhaften Gesprächen.

Es berichteten langjährige Mitglieder von Streiknächten, großen Tarifrunden, wichtigen Betriebsratsentscheidungen und Persönlichkeiten, die über Jahrzehnte hinweg den Zusammenhalt gestärkt hatten. Jüngere Kolleginnen und Kollegen brachten ihre Erfahrungen aus aktuellen Auseinandersetzungen ein – ein lebendiger Generationendialog, der zeigte, dass gewerkschaftliche Arbeit stets vom Engagement vieler lebt.

Ein Blick nach vorn

Das Jubiläum machte deutlich: Die IG Metall Rheine hat in 60 Jahren nicht nur wirtschaftliche und gesellschaftliche Umbrüche begleitet, sondern diese aktiv mitgestaltet. Mit der Wahl von Christiane Benner zur Vorsitzenden, neuen tarifpolitischen Konzepten und einer starken betrieblichen Basis sieht sich die Geschäftsstelle gut gerüstet für die Herausforderungen der kommenden Jahre.

„Gewerkschaftsarbeit war immer Wandel – und bleibt es auch. Unser Fundament sind die Mitglieder und natürlich Solidarität, Mitbestimmung und die Überzeugung, dass gute Arbeit kein Zufall ist“, so das Fazit von Geschäftsführerin Karin Hageböck zur Veranstaltung. 

Von: vb

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