03.07.2026 | Die IG Metall ist mit einer bundesweiten Liveschaltung aller Tarifkommissionen in den sieben Bezirken in
die Tarifbewegung der Metall- und Elektroindustrie gestartet. Der selbstbewusste Auftakt sorgt für Aufbruchstimmung.
Gut so, denn die allgemeine Konjunkturschwäche und die äußerst unterschiedlichen Situationen in den Betrieben machen diese Tarifrunde zu einer besonderen.
Einstimmig beschlossen die sieben Tarifkommissionen, die bestehenden Entgelttarifverträge zu kündigen. Damit ist der Weg frei für die Aufstellung einer neuen Forderung, für Verhandlungen mit den Arbeitgebern, möglicherweise für Arbeitskampf – und schlussendlich für einen erfolgreichen Abschluss. Oder, wie es mehrere Mitglieder der Tarifkommission NRW auf der Veranstaltung im Bildungszentrum der IG Metall in Sprockhövel in Anlehnung an den aktuellen Sommerhit formulierten: Der Zug hat keine Bremse.
Tatsächlich hatte diese Auftaktveranstaltung etwas von einer Lokomotive, die ab sofort mit aller Kraft und unaufhaltsam losrollt. Die sieben Bezirke der IG Metall hatten sich virtuell zusammengeschaltet, um diesen Auftakt gemeinsam zu gestalten und damit auch ein Zeichen zu setzen: In besonders harten Zeiten stehen wir besonders eng zusammen.
In Sprockhövel schwenkten die rund 150 Mitglieder der NRW-Tarifkommission rote Fahnen zum Gruß der anderen Bezirke, in Hannover flatterte zur Feier des Tages Konfetti durch den Saal und in Bayern machten die Delegierten mit Klatschpappen Stimmung. „Das wirkt schon jetzt fast wie bei einem Warnstreik“, befand Ralf Dirschl, Gewerkschaftssekretär im Bezirk Bayern und Moderator der Veranstaltung.
Auch der Vorstand der IG Metall in Frankfurt schaltete sich virtuell zur großen Liveschalte hinzu. Die Wortbeiträge der Ersten Vorsitzenden der IG Metall, Christiane Benner, und von Tarifvorständin Nadine Boguslawski wurden mit großem Beifall aufgenommen. „Viele Unternehmen stehen gut da“, sagte Benner. Andere bräuchten die Solidarität der stärkeren Betriebe. „Wir werden differenzierte Lösungen finden müssen.“ Das Signal dieser Liveschalte war eindeutig: Es herrscht Aufbruchstimmung und große Solidarität.
Beides wird es in den nächsten Monaten brauchen. Im Oktober beginnt die entscheidende Phase. Dann wird die IG Metall mit den Arbeitgebern wieder über höhere Entgelte für 3,8 Millionen Beschäftigte verhandeln. Aber welche Forderungen soll die Gewerkschaft erheben? Und wo sind die roten Linien? Schon bei der Liveschalte konnten die anwesenden Betriebsräte und Vertrauensleute ihre Vorstellungen dazu einbringen (siehe Seite 4).
Klar ist schon jetzt: Es kommt auf jeden Einzelnen an. Denn nur eine starke und geschlossene IG Metall kann Tarifpolitik in derart komplizierten Zeiten gestalten.
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